It’s feminism, stupid!

Ich muss zugeben: Ich kannte Ariane Friedrich bis vor kurzem nicht. Vielleicht habe ich sie ein oder zweimal kurz in der Tagesschau gesehen, ansonsten hat mich ihr Leben bis vor kurzem nicht weiter interessiert.

Bis vor kurzem. Als sie Opfer eines Übergriffes wurde und diesen dann öffentlich gemacht hat. Beides fand auf facebook statt. Daraus hat sich eine breite Debatte entwickelt, Udo Vetter hat was dazu geschrieben, ein Überblick gibt ein Artikel der Mädchenmannschaft.

Warum dieses Medieninteresse? Es wird immer wieder mit dem Vorfall in Emden in Verbindung gebracht, weil Ariane Friedrich auch den Wohnort öffentlich gemacht hat. Ein Mob könne sich nun auf dem Weg machen und die verfemte Person aufsuchen. Es ist die Frage nach der Reichweite der digitalen Welt und die Vergleichbarkeit mit der analogen.

Auf die analoge Welt übertragen: ein frei zugänglicher, quasi öffentlicher Raum, privat verwaltet. Für mich Bedingungen, die ähnlich einer Kneipe sind. Eine Frau wird von einem Typen sexuell belästigt und blöd angemacht. Sie kann sich an das Thekenpersonal wenden, der Typ kriegt ggf. sein Bier über den Kopf geschüttet, oder fliegt gleich aus der Kneipe. Für jeden Gast ist erfahrbar: Dieser Typ hat einen Übergriff begangen, deshalb muss er gehen. Auch sein persönliches Umfeld kriegt es mit. Der Täter muss mit den Konsequenzen leben. Vielleicht kriegt er noch Hausverbot in der Kneipe.

Das ist die Situation auf facebook übertragen. Es ist ein quasi-öffentlicher Raum in dem ein Typ einen sexuellen Übergriff begeht. Ariane Friedrich hat dem Typen öffentlich gezeigt, wo die Grenzen sind. Ein digital-analoger Mob ist nicht entstanden. Der Übergriff auf Ariane Friedrich war ein Angriff auf eine lebende Person, nicht auf eine tote Institution. Deshalb kann es auch keinen Vergleich mit der aufgeheizten Stimmung in Emden geben. Dort war das Problem real, nicht  digital.

Etwas Polemik am Ende: Es verwundert mich schon (oder besser: nicht), dass die kritischen Kommentare zu Ariane Friedrich gerade von Männern kommen. Ein Täter-Opfer Umkehr findet auch im Internet statt. (Leider) nichts mit post-gender.