SIAG-Werke als Test für die Energiewende

Vielleicht war die Insolvenz der SIAG-Norderseewerke eine glückliche Fügung für die Firma.Das politische Niedersachsen befindet sich in der heißen Vorwahlkampfphase. Jetzt werden nicht nur Schattenkabinettsmitglieder und Wahlsongs vorgestellt, auch die alltäglichen Themen finden nun breit Platz in der alltäglichen Berichterstattung.
Die SIAG-Werke sind ein gutes Symbol. Der Fundamenthersteller für Offshore -Windkraftanlagen ist durch den stockenden Netzausbau und den Kinderkrankheiten neuer Technologien in Schieflage geraten. Offshore-Windkraft galt lange als das heiße Ding, wenn es um die Erneuerbaren Energien ging. Nahezu grundlastfähig, erneuerbar, aber trotzdem mit so viel Kapitaleinsatz, dass nur die großen Energiekonzerne die Kriterien für den Betrieb erfüllen. Es war eine sogenannte Zukunftstechnologie, wie die Windkraftanlagen auf dem Land, Innovation made in Germany, die Arbeitsplätze Nahe am Einsatzort, denn die hunderte Tonnen schweren Bauteile können nicht ohne Probleme quer über den Globus gebracht werden.
Auch wenn die Offshore-Energie vielen als Lösung der Probleme in der Energiewende galt, sie war auch ungeliebt. Die Sorgen der vom Tourismus abhängigen Bevölkerung konnten bald zerstreut werden, die des Transports durch die Netze von Nord nach Süd allerdings nicht. Somit kam die Offshore-Energie in länderspezifischen Energiestrategien im Süden nicht vor. Dort sind es die Projekte der dezentralen Energien, die die Arbeitsplätze „zuhause“ bringt und nicht an der Küste, im fernen Norden.
Peter Altmeier als amtierender Umweltminister reagiert eher passiv. Ein klares Bekenntnis zur Offshore-Windkraft ist von ihm nicht zu hören. Es hat sich an der Nordsee und in der Offshore-Industrie ein gefährlicher Schewebezustand entwickelt. Der Umwelt- und Energiewende-Minister ist gerade zu sehr in der Endlagerfrage eingespannt, als das er hier mit einer Position voranschreiten könnte.
Erstaunlich passiv bleiben die Oppositionspolitiker_Innen, besonders von der SPD. Weil stellt lieber weitere Schattenkabinettsmitglieder vor, überlässt das Feld seinen Schatten-Wirtschaftsminister statt sich selber zu profilieren und sich der Belegschaft in Emden zu stellen. Für Schröder wäre aus einer vergleichbaren Insolvenz eine zentrale Wahlkampfveranstaltung geworden. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Zeiten der großen Inszenierungen in der Politik vorbei sind.

Ein Kommentar

  1. Du sprichst von Offshore-Windkraftanlagen, als gebe es die nicht mehr. Das geht aber auch ohne SIAG weiter, oder nicht? Insolvenzen sind immer ärgerlich, aber was wäre da die Lösung? Das Land sollte ja wohl nicht einspringen.

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